Selbstcoaching mit der Potenzial-Map:
Erfahrung

Erfahrungen sind Referenzen

Wenn ein Mensch eine Erfahrung macht, dann nimmt er etwas mit seinen Sinnen wahr.

Er hört etwas, er sieht etwas, er schmeckt etwas, er fühlt etwas – er erlebt etwas, macht eine reelle Erfahrung.

Das was er erlebt hat, unterzieht er einer Bewertung.

Es war angenehm oder unangenehm.

Positiv oder negativ.

Schön, schrecklich, langweilig, interessant …

Die Erfahrung die er gemacht hat, verinnerlicht er sich und macht sie zu einer Referenz, auf die er sich bezieht.

Auf diese Referenzerfahrungen bezieht er sich bewusst, oder auch unbewusst.

In der Psychologie wird diese Innenwelt, auf die sich jemand bezieht, auch als Bezugsrahmen definiert.

 

 

Erfahrungen prägen unser Leben

Du kannst Dich einmal fragen, was Deine drei schönsten und kostbarsten Erfahrungen sind, die Du gemacht hast?

Das erste Fahrrad – der erste Kuss – das Siegtor, das Du geschossen hast – die Führerscheinprüfung, die Du bestanden hast – die Geburt Deines Sohnes – der Lottogewinn …

Es sind aber nicht nur die Erfahrungen die wir als schön bewerten, auf die wir uns beziehen. Oft sind es auch die schmerzhaften Erfahrungen, die eine große Bedeutung haben.

Der Verlust eines Elternteils – eine schwere Krankheit – ausgelacht zu werden …

So lange wir leben, prägen uns die Erfahrungen die wir machen unsere Persönlichkeit.

„Wir machen nicht Erfahrungen, sondern Erfahrungen machen uns.“
(Eugène Ionesco, Autor und Maler)

Deswegen ist es so wichtig, Erfahrungen bewusst mitzugestalten.

Die Potenzial-Map kann Dir dabei eine sehr gute Orientierung bieten.

 

Die Erfahrung – die Mitte der Map

Die Erfahrung befindet sich in der Mitte der Map, weil sie alle anderen Elemente beinhalten kann.

Wenn Du eine Erfahrung machst, können innere Bilder entstehen (Imagination), Körperempfindungen freigesetzt werden (Körper), Gefühle entstehen (Gefühle), Verhaltensweisen umgesetzt werden (Verhalten), Bewertungen entstehen (Bewertung) und Überzeugungen verstärkt werden (Überzeugung).

Und darüberhinaus, machst Du die Erfahrung in einem bestimmten Umfeld (Umfeld).

 

 

Jenseits der Komfortzone

Also …

Erfahrungen sind Referenzen, auf die wir uns beziehen.

Diese Referenzen verbinden wir mit bestimmten Emotionen, Verhaltensweisen und Überzeugungen.

Wir interpretieren Erfahrungen ganz subjektiv.

Für den einen war der Kinofilm eine Offenbarung, für den anderen pure Langeweile.

Erfahrungen machen etwas mit uns.

Entweder sie regen uns zu neuen Taten an, oder sie bremsen uns.

Das liegt daran, dass der Organismus eines Menschen u.a. darauf ausgelegt ist, sich zu schützen.

Die unangenehmen und schmerzhaften Erfahrungen zeigen uns: „Das tut weh, mach das lieber nicht mehr!“
Die angenehmen Erfahrungen regen uns an, mehr davon erleben zu wollen: „Das hat mir gut getan, ich will mehr davon!“

Je mehr schmerzhafte Erfahrungen man in einem bestimmten Bereich gemacht hat, umso mehr schützt man sich davor.

Man bewegt sich in einem bestimmten Rahmen, in dem man sich sicher fühlt: der Komfortzone.

Wogegen absolut nichts einzuwenden ist. Keiner sagt, Du müsstest schmerzhafte Erfahrungen machen.

Schwierig wird es erst dann, wenn die Komfortzone immer enger wird und die Lebensqualität einschränkt.

Dann wir es Zeit, etwas für sich zu tun, indem man seinen Zustand genauer betrachtet und einen Weg findet, passende Erfahrungen zu machen – jenseits der Komfortzone.

 

Wie Du Erfahrungen für Dich nutzen kannst

 

1. Aktiviere das erfahrende Selbst

Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman beschreibt in seinem Bestseller „Schnelles Denken, langsames Denken“ zwei grundsätzliche Bewusstseinszustände: Das erfahrende Selbst und das erinnernde Selbst.

Du kannst Dein erfahrendes Selbst aktivieren, indem Du Deine Achtsamkeit erhöhst.

Tauche immer wieder mal aus Deinem Vergangenheits- und Zukunftsdenken auf und nimm die Gegenwart in der Du Dich befindest mehr wahr:

Wo befinde ich mich gerade? (Umfeld)
Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Entspannt? Angespannt? … (Körper)
Wie fühle ich mich gerade? Glücklich? Wütend? Traurig? … (Gefühle)
Was tue ich gerade? (Verhalten)

Erhöhe Deine Präsenz und nimm die Erfahrung die Du gerade machst ein kleines Stück bewusster wahr. Allein dadurch verändert sich oftmals der Zustand, ohne große Anstrengung.

2. Werde zum Erfahrungssammler

Die prägensten Erfahrungen bleiben oftmals sowieso im Gedächtnis haften und sind auch leicht abrufbar.

Aber manchmal vergisst man doch ein Erlebnis, das wichtig gewesen ist.

Sammle Deine Erfahrungen.

Führe z.B. ein Tagebuch.

Du kannst selbst entscheiden, ob Du nur die schönen und angenehmen Erfahrungen sammelst.

Interessant sind aber meistens die etwas unangenehmeren Erfahrungen, die man irgendwie nicht so richtig verarbeitet hat.
Liest man sich sein Tagebuch später durch, hat man oftmals Erkenntnisse über seine Entwicklung: „Ach schau mal, das ist ja interessant. So habe ich vor zwei Jahren über mich gedacht …“.

Werde zu einem erfahrenen Menschen.

Denn eine fernöstliche Weisheit besagt: „Willst du etwas wissen, so frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten“.

Besuche andere Kulturen und lass Dich inspirieren.

Sammle Erfahrungen von anderen.

Lies Autobiographien und profitiere von den Weisheiten anderer.

Als Erfahrungssammler wirst Du immer eine interessante Geschichte zu erzählen haben.

Und Du erhöhst automatisch die Sensibilität für Erfahrungen und stärkst somit auch das erfahrende Selbst.

3. Bewerte Deine Erfahrungen neu

Nimm Erfahrungen die Du gemacht hast, genauer unter die Lupe.

Besonders die, die Dich daran hindern Deine Komfortzone zu verlassen.

Du hast Dich mal vor einer Gruppe blamiert?
Gut, das war unangenehm.
Aber was hast Du dadurch gelernt?
In einer Gruppe nie wieder Deine Meinung zu sagen?
Das wäre schade.

Frag Dich stattdessen:

Wo war ich und wer war alles da?
Wie habe ich mich verhalten?
War mein Verhalten wirklich negativ?
Wie habe ich mich gefühlt und was will mir dieses Gefühl sagen?
Was war der Auslöser für meine Gefühle?
Wie habe ich über mich selbst und die anderen gedacht?
Was nehme ich wirklich aus dieser Erfahrung für mich mit?
Gibt es etwas, wofür ich sogar dankbar sein kann?
Was möchte ich beim nächsten Mal tun, um eine konstruktive Erfahrung zu machen?

Sicher hast Du erkannt, dass in diesen Fragen die Bereiche der Potenzial-Map drin stecken.
Nutze sie für die Neubewertung von Erfahrungen.
Das wird Dir helfen, Deine Komfortzone wieder etwas zu erweitern.

Übrigens: Meistens sind es die unangenehmen Erfahrungen, über die man später herzhaft lachen kann. 😉


4. Organisiere eine Einstiegs-Referenzerfahrung


Du möchtest Dein Traumauto, aber Du glaubst nicht, dass das jemals eintreffen wird?

Dann mach eine Einstiegserfahrung, die Dir als erste Referenz dienen kann.

Organisiere eine Probefahrt in einem Ferrari – oder einer Ente.

Mach diese Erfahrung bewusst, lass sie auf Dich wirken.
Du wirst ein Gefühl dafür bekommen, wie es sein wird, wenn Du Dein Traumauto hast.
Deine Überzeugung wird sich ändern, weil Du ja bereits in Deinem Traumauto sitzt und es bereits möglich ist es zu fahren!
Dann ist es sicher auch möglich, irgendwann eines zu besitzen.

Vorher war die Überzeugung: „Das geht sowieso nicht …“.

Jetzt: „Das ist vielleicht doch möglich…“.

Deine Motivation und Dein Fokus ändern sich!

Das kannst Du mit vielen anderen Wünschen die Du hast ausprobieren.
Oder Du nimmst Erfahrungen, die Du  für Dein persönliches Weiterkommen brauchst.

Du willst vor einer großen Gruppe, einen freien Vortrag halten, kannst Dir das aber nicht so recht vorstellen?
Dann könntest Du diesen Vortrag in einem etwas geschützteren Rahmen vor einer kleinen Gruppe durchführen.
Dann vor einer etwas größeren.
Und dann …

So machst Du Referenzerfahrungen, die Dich Stück für Stück weiter bringen und Stück für Stück Deine Komfortzone vergrößern.

 

 

Fazit:

Erfahrungen sind Referenzen, auf die man sich bezieht.

Erfahrungen prägen die Persönlichkeit und das Leben.

Ob man in einer sehr engen Komfortzone lebt oder ob man sich sehr frei bewegen kann, hängt unter anderem von der Bewertung der Erfahrungen ab, die man gemacht hat.

Erfahrungen bewusst zu machen, bedeutet Zustände verändern und Einfluss auf sein Leben nehmen zu können.

Werde zum Erfahrungssammler.

Überwinde Deine Komfortzone – die wahren Wunder finden außerhalb der inneren Limitierung statt.

 

PS: Hast Du Fragen? Wie denkst Du darüber? Hinterlasse gerne einen Kommentar.
PSS: Teile diesen Beitrag, um auch anderen zu helfen – danke!

 

Verwendung des Modells für Coachs und Trainer:
Du darfst das Modell sehr gerne für Deine Fortbildungen und Vorträge verwenden. Bitte das „Copyright © 2016 Grenz“ auf Deinen Unterlagen anbringen oder einfach Thomas Grenz als Urheber erwähnen.

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