Selbstcoaching mit der Potenzial-Map:
Imagination

Wirkung jenseits des Limits

Albert Einsteins Zitat: „Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen – denn Wissen ist begrenzt“, bringt die Bedeutung der Imagination auf den Punkt. Die meisten bahnbrechenden Ideen und Innovationen entstehen durch die Überwindung der inneren Limitierung.

Ein Handy gab es schon in den 60-ger Jahren. Ein klappbarer Kommunikator gehörte zur Standardausrüstung der Sternenflotte in der Erfolgsserie Star Trek. Zwar noch nicht funktionstüchtig, aber als Attrappe. Und bevor es diesen Kommunikator in der Serie geben konnte, musste sich irgendein Mensch davon eine bildhafte Vorstellung machen. Und heute … an fast jeder Straßenecke verwirklicht zu sehen.

Auch beim Lernen spielen Bilder eine wichtige Rolle.

Eine von Dr. Richard Mayer, Professor für Psychologie an der University of California, durchgeführte Studie, sollte die Bedeutung des „Multimediallernes“ untersuchen. Also welche Wirkung unterschiedliche Arten von Sinneseindrücke beim Lernen haben.

Dabei hat sich folgendes herausgestellt: Wenn dem Gehirn ermöglicht wird, zwei mentale Darstellungen einer Erklärung zu generieren – ein verbales und ein visuelles Modell -, dann sind die mentalen Verbindungen nicht nur ein bisschen, sondern viel stärker. Das heißt, die Probanden konnten sich nicht nur manchmal, sondern immer genauer an die Informationen erinnern, wenn auch visuelle Elemente eingesetzt wurden.

Du kannst Dich ja einmal selbst fragen, woran Du Dich besser erinnern kannst: An etwas das Du nur gehört hast, oder an etwas, das Du gesehen hast?

Diese Erkenntnis ist vielleicht nicht neu, sie belegt aber die alte Weisheit: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

 

Imagination, der zweite Faktor der Potenzial-Map

 

 

Der 3-dimensionale Fernseher

Imagination muss nicht nur aus statischen Bildern bestehen. Vielmehr ist sie wie ein 3-dimensionaler Fernseher, der in unserem Kopf abläuft: Mit Bewegtbild, Ton, Geruch, Geschmack und Raum.

Und dieser 3-dimensionale Fernseher, wirkt sich meist unterbewusst oder vorbewusst auf uns aus. Das heißt, im Hintergrund läuft ein Fernsehprogramm und wenn man dieses erkennen und für sich nutzen kann, ist es möglich bewusster Einfluss auf sich und sein Leben zu nehmen.

„Das Leben eines Menschen ist gefärbt von der Farbe
seiner Vorstellungskraft.“
Marc Aurel, Kaiser und Philosoph

 

 

Verantwortungsvoll mit der Kraft der Imagination umgehen

Bilder können eine sehr starke Wirkung haben. Viele Studien belegen, dass intensive Imaginationen sogar die Strukturen des Gehirns verändern können.
Deswegen möchte ich Dir eine Empfehlung machen, damit Du die Kraft Deiner Vorstellung sinnvoll und mit Freude für Dich nutzen kannst.

Grundregel: Wenn Du Dich beim Imaginieren nicht wohl fühlen solltest, weil etwas in dir hochsteigt, dass Dir Angst macht, oder andere unangenehmen Gefühle auslöst, dann erlaube Dir den Prozess zu unterbrechen.

Auch wenn Du bei einem Coach oder Therapeuten mit inneren Bildern arbeiten solltest: Du darfst stopp sagen, wenn Dir etwas nicht gut tut!

Besonders bei traumatischen Erlebnissen und Bildern die mit der Kindheit zu tun haben, können Emotionen zu Tage kommen, die eingeordnet und verarbeitet werden müssen. Deswegen kann es hilfreich sein, bei der Aufarbeitung schwieriger Erfahrungen, jemanden an der Seite zu haben, der den Prozess mitsteuert und Dich immer wieder fragt, wie es Dir damit geht.

Diese Regel gilt auch für allein durchgeführte Meditationen. Falls Du beim Imaginieren an einen unangenehmen Punkt kommen solltest, achte darauf, dass Du wohlwollend mit Dir umgehst.

Bitte versteh mich richtig. Es geht nicht darum unnötige Ängste zu schüren.
Es geht darum Verantwortungsvoll die Kraft der Imagination zu nutzen und die Wirkung nicht leichtfertig zu unterschätzen. Wie gesagt, das Gehirn kann sich durch Imagination verändern, weil alte und neue Bereiche aktiviert und verstärkt werden. Und es können Emotionen freigesetzt werden, die verarbeitet werden müssen.

Ansonsten gilt: Freier Geist voraus!

Nun einige Tipps zum kraftvollen Imaginieren.

 

5 Tipps für Deine Vorstellungskraft

 

1. Lebendig visualisieren

Denk einmal nicht … denk einmal nicht … an eine GELBE ZITRONE! Dann hast Du jetzt mit Sicherheit an eine gelbe Zitrone gedacht, und sie irgendwo auf Deinem inneren Bildschirm gesehen. Wenn Du die Aufforderung nicht an etwas Bestimmtes zu denken gelesen und wahrgenommen hast, muss Dein Gehirn sich zuerst eine Vorstellung davon machen, an was es denn NICHT denken soll. Deswegen stellst Du Dir doch eine Zitrone vor. Dieses Spielchen kennst Du wahrscheinlich bereits aus Seminaren und Vorträgen.

Jetzt kannst Du Dir die Zitrone noch etwas genauer vorstellen und indem Du Dich fragst:

Wo sehe ich die Zitrone auf meinem inneren Bildschirm?
Wie groß ist die Zitrone?
Wie ist sie geformt?
Wie gelb ist die Zitrone?
Sehe ich noch weitere Einzelheiten?
Kann ich die Zitrone – das Bild – noch etwas schärfer einstellen? …

Du drehst einfach etwas am Regelknopf Deines Monitors.

Wenn Du dir die Zitrone gut vorstellen kannst, kannst Du weitere Sinne aktivieren.

Hören: Du quetscht z.B. die Zitrone und es spritzt Flüssigkeit heraus – Du hörst regelrecht das laute Spritzen.

Riechen: Du riechst den frischen Zitronenduft, den die Zitrone ausströmt.

Schmecken: Du beißt in die Zitrone rein und schmeckst den sauren Geschmack.

Tastsinn: Du greifst in Deiner Vorstellung in das Bild und erfühlst mit Deiner Hand die Zitrone.

So kannst Du Deine Imagination ausbilden und schärfen, indem Du Deine inneren Bilder verstärkst – ihnen Leben einhauchst.

 

2. Zwanglos sinnieren

Wenn Du mal eine freie Minute hast, kannst Deine Sinne aktivieren und bewusst Sinnieren. Dabei lässt Du Deinen Gedanken freien Lauf. Einer der weltweit beliebtesten Orte zum Sinnieren ist wohl die Parkbank im Stadtgarten – am besten bei Sonnenschein. Oder ein anderer ruhiger Ort, wo Du Dich entspannen kannst. In der Badewanne?

Dabei kannst Du an eine schöne Erinnerung denken, oder an etwas auf das Du Dich freust und innere Bilder aufsteigen lassen – ganz ohne Druck und Zwang. Vielleicht denkst Du über den schönen Geburtstag Deines Sohnes nach, den Ihr gefeiert habt? Vielleicht denkst Du an einen Kinofilm, der Dir gefallen hat? Oder Du denkst an Deinen Sommerurlaub, auf den Du Dich schon freust? …

Wie beim Visualisieren der Zitrone, kannst Du beim Sinnieren Deinen inneren Bildern Leben einhauchen und alle Sinne aktivieren. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Wenn Du das intensiv genug tust, dürfte sich das passende Gefühl zur Imagination schon bald einstellen.

 

3. Freisetzung durch Bücher

Bücher lesen regt die Vorstellung an – mehr als Fernsehschauen. Bücher können das Tor in grenzenlose Phantasiewelten sein. In diesen Welten finden Ritterschlachten, Weltraumerkundungen und die größten Liebensdramen satt.  In Büchern werden die Imaginationen der Autoren verewigt.

Nicht nur Phantasieromane können die Imagination anregen sondern auch Autobiographien und Ratgeberbücher. Durch reell erlebte Geschichten anderer Menschen, kann man sich inspirieren und ermutigen lassen: „Wenn der das geschafft hat, dann kann ich das eventuell auch …“. Über das Anzapfen solcher Referenzerfahrungen kann man seine Überzeugungen verändern und seine Komfortzone leichter verlassen (siehe BLOG…)

Natürlich geht das auch über das Anschauen von Videos. Aber gerade die Bücher lassen etwas mehr Spielraum für die eigene Phantasie – man wird mehr zum Mitautor und Imaginator.

 

4. Hinein in Zielzustände

Sicher hast Du schon mal davon gehört, dass es hilfreich ist, sich zu seinen Zielen ein Visionboard zu machen. Dabei sammelst Du Bilder aus Zeitschriften die deine Ziele visualisieren und klebst Sie auf ein großes Blatt Papier. Das ist eine gute Methode, dadurch wird es Dir leichter fallen, die Bilder abzurufen. Ich empfehle Dir, mutig einen Schritt weiter zu gehen.

Die international bekannte Professorin Gabriele Oettingen, hat wissenschaftlich belegt, wie man am besten seine Wünsche und Ziele erreichen kann. Daraus hat sie die WOOP-Methode entwickelt, die für W= Wish, O = Outcome, O =Obstacle, P = Plan steht. Oder auf deutsch: Wunsch, Ergebnis, Hindernis und Plan (ich verwende deswegen die Abkürzung WEHP).

Gabriele Oettingen hat anhand zahlreicher Studien und Versuchen herausgefunden, dass folgende Vorgehensweise die sinnvollste ist:

Zuerst macht man sich seinen Wunsch (oder sein Ziel) bewusst. Dann das Ergebnis, dann die Hindernisse die einem bei der Erfüllung des Wunsches im Weg stehen könnten und dann einen Plan, was man tun kann, wenn die Hindernisse auftauchen.

Entscheidend ist, dass man sich das Ergebnis möglichst kraftvoll bewusst macht. Das heißt man versetzt sich mit allen Sinnen in den Zielzustand, so als ob man sein Wunsch bereits erfüllt hätte. Auch im Sport beim Mentaltraining geht man so vor. „Gewinnen im Kopf“, nennt sich das.

Aktiviere alle Sinne: Was siehst Du, hörst Du, schmeckst Du, riechst Du und wie fühlst Du Dich, wenn Dein Wunsch sich erfüllt hat?

Der Unterschied der WOOP-Methode, zu den Methoden, bei denen man nur hofft, dass man seinen Wunsch durch reines Visualisieren „anziehen“ wird,  ist der, dass man sich im nächsten Schritt auch die möglichen Hindernisse und einen passenden Plan bewusst macht. Dadurch entsteht ein „mental-emotionales Kontrastieren“: Einerseits erlebt man, wie es sich anfühlen wird, wenn man seinen Wunsch erfüllt hat und andererseits erkennt man die „störenden“ Hindernisse. Dadurch ist man viel eher bereit sich frühzeitig den Hindernissen zu stellen und aktiv etwas dagegen zu tun, falls sie auftreten sollten.

Wichtig: Hierbei geht es nicht darum sich durch die Hindernisse demotivieren zu lassen oder eine sich selbsterfüllende Prophezeiung zu versuchen. Vielmehr geht es darum gewappnet zu sein und sich durchsetzen zu wollen.

 

5. Den inneren Coach imaginieren

Metakognition bedeutet: über sein Denken nachdenken zu können. Das ist es, was uns Menschen auch von anderen Lebewesen unterscheidet. Wir haben die Fähigkeit, Bewusstheit zu entwickeln. Manchmal geht uns diese Fähigkeit verloren, besonders in Stresssituationen, wenn das Hirn auf niedere Funktionen umschaltet und wir reflexhaft reagieren. In solchen Situationen können einfache Bilder helfen. Deswegen sind z.B. Notfallpläne in Gebäuden mit einfachen Grafiken und Symbolen ausgestattet.

Aus dieser Erkenntnis heraus, sind die coach-its entstanden: Visualisierte Helfer, an die man bewusst denken kann. Und eines dieser coach-its ist der innere Coach. Du kannst Deinem inneren Coach eine ganz eigene Bedeutung zuschreiben. Und Dein innerer Coach muss auch nicht genauso aussehen, wie hier abgebildet. Er darf z.B. auch weiblich sein.

Der innere Coach kann als einfache Erinnerungshilfe dienen, indem Du an ihn denkst: „Hey, Du kannst Dich selbst coachen – worauf möchte ich gerade achten?“
Du kannst Deinen inneren Coach mit anderen visualisierten Selbstcoaching-Werkzeugen verbinden und ein kleines Selbstcoaching-System aufbauen. Oder der innere Coach kann als Visualisierung für Deine innere Stimme dienen oder für Bewusstheit allgemein stehen.

Auf alle Fälle kann der innere Coach als Start-Anker für weitere hilfreiche Gedanken und Werkzeuge dienen. Denn genau das fehlt manchmal, um seine Metakognition überhaupt in Gang zu bringen.

 

 

Fazit:

Imagination ist ein kraftvolles Werkzeug.

Starke und lebendige Bilder können die Gehirnstruktur nachhaltig verändern.

Mit Vorstellungskraft können neue Ideen entstehen, innere Limitierungen überwunden und neue Überzeugungen entwickelt werden.

Mit Einsatz von Imagination können Ziele besser erreicht werden.

Imagination kann Bewusstheit fördern, indem eine mentale Orientierung verankert wird – mit Deinem inneren Coach.

 

 

PS: Hast Du Fragen? Wie denkst Du darüber? … Du kannst gerne einen Kommentar hinterlassen.
PSS: Und über das Teilen dieses Beitrags freue ich mich – und vielleicht auch jemand anderer! 😉

 

Verwendung des Modells für Coachs und Trainer:
Du darfst das Modell sehr gerne für Deine Fortbildungen und Vorträge verwenden. Bitte das „Copyright © 2016 Grenz“ auf Deinen Unterlagen anbringen oder einfach Thomas Grenz als Urheber erwähnen.

2 Kommentare

  1. Ingrid Breg

    Hallo Thomas,
    nach meinem Urlaub bin ich heute dazu gekommen, Deinen Text zu lesen.
    Vielen Dank dafür! Ich finde viele tolle Anstöße, mal über dies und jenes im Alltag zu reflektieren.
    Weiter so!
    Schöne Ostergrüße
    Ingrid

    Antworten
    • thomasgrenz

      Hallo Ingrid,
      danke für Deinen Kommentar – auch Dir weiterhin alles Gute! 😉
      Lieben Gruß, Thomas

      Antworten

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